In Berufsorientierung vom 12. Juni 2019

Sicherheit oder Selbstentfaltung

von Jannike Stöhr – „Suche dir doch einen Job bei einer Bank, dann hast du was Sicheres!“ Das war ein beliebter Satz der Generation meiner Eltern. Irgendwie hatten sie ja auch recht. Wäre auf der anderen Seite nicht der Wunsch, sich selbst zu entfalten.

Viele meiner Klienten in der Berufsberatung stecken in diesem Dilemma: Sie sehnen sich nach einem erfüllten Berufsleben. Ihren sicheren Job aufgeben wollen sie dafür aber nicht.

Gibt es Sicherheit überhaupt?

Doch was bedeutet Sicherheit eigentlich? Gibt es Sicherheit in einer Welt, in der sich alles so schnell verändert wie heute, überhaupt noch? Für viele Menschen steht Sicherheit für Planbarkeit, Kontinuität und finanzielle Absicherung. Aber welcher Job ist heute noch sicher? Selbst sichere Arbeitgeber, wie die der Automobil-Industrie, müssen sich ganz schön ins Zeug legen, um die aktuellen Entwicklungen nicht zu verschlafen und von Tesla oder Google nicht abgehängt zu werden.

Wer hält heute die Rente noch für sicher? Jeder weiß, dass er privat vorsorgen muss, wenn er nicht in Altersarmut abrutschen will. Denn wie das Rentensystem den demographischen Wandel überstehen soll, ist und bleibt ein Rätsel.

Während unsere Eltern noch das Modell einer lebenslangen Karriere kennen, sieht die Realität in der Arbeitswelt heute anders aus. Wir müssen kontinuierlich lernen und uns weiterentwickeln, denn bald schon werden wir in Jobs arbeiten, die wir heute noch für Science Fiction halten.

Unterschiedliche Generationen haben unterschiedliche Bedürfnisse

icherheit ist ein Wert, der vielen Menschen der Generation Y zwar über die Erziehung mitgegeben wurde. Dennoch ist die Sehnsucht nach Freiheit und Selbstverwirklichung groß. Eine Generation später sieht es schon anders aus: Während die Generation Z von ihren Eltern ermutigt wird, einen Weg zu wählen, der zu ihnen passt, sehnen sich die Vertreter dieser Generation nach Sicherheit im Job. Themen wie Klimawandel, Terrorismus und Wirtschaftskrisen verstärken den Wunsch nach klaren Strukturen.

Sicherheit klingt verlockend, weil sie leicht und bequem ist. Auf der anderen Seite zahlen wir auch einen Preis. Denn oftmals geht mir ihr einher, dass wir nicht unser volles Potenzial entfalten können und einen Job machen, der zwar sicher scheint, uns aber nicht erfüllt.

Sowohl als auch

Ich selbst stamme aus der Generation Y. Ich habe mich für den Weg der Selbstentfaltung entschieden. Viele Menschen vor mir haben mir den Weg dazu geebnet. Dafür bin ich sehr dankbar. Es würde mich freuen, wenn viele Menschen die Möglichkeit hätten, ihre Lebenszeit mit einem Job zu verbringen, der ihnen Freude macht und ihnen Sinn stiftet. Den Wunsch nach Sicherheit kann ich nachvollziehen. Angesichts der anstehenden, großen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt halte ich Sicherheit allerdings für einen Trugschluss. Langfristig zumindest.

„Sicher ist derjenige, der sich auch in Unsicherheit zurechtfinden kann“, sagte mir neulich jemand im Gespräch über heutige Berufswege. Das durfte ich auch erfahren. Nachdem ich mich mit der Angst, meinen Lebenslauf zu zerschießen, auf meine Traumjob-Suche begeben hatte, stellte ich fest, dass gerade meine vielen Erfahrungen für Arbeitgeber interessant sind.

Für alle, die sich im Dilemma zwischen Sicherheit und Selbstentfaltung befinden, habe ich zwei gute Nachrichten. Um sich selbst zu entfalten, muss man nicht sofort alles hinschmeißen. Es gibt Wege, sich innerhalb eines sicheren Rahmens auszuprobieren und die eigene Komfortzone Schritt für Schritt zu erweitern.

Und: Eure Erfahrungen und Fähigkeiten, die ihr auf diesem Weg sammelt, werden euch von Nutzen sein.


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