In Berufsorientierung Studieren und Lernen vom 29. August 2019

Wann Menschen ihre Arbeit lieben

von Jannike Stöhr – Wenn man 8.000 leidenschaftliche Menschen fragen würde, warum sie ihre Arbeit lieben, was würden sie sagen?

Der Professor Mihály Csíkszentmihályi hat es getan. Gemeinsam mit seinen Uni-Kollegen befragte der Professor weltweit achttausend Menschen, die ihre Arbeit liebten. Dabei waren Dominikanermönche, Kletterer im Himalaya, blinde Nonnen und Schäfer der Navajo, das zweitgrößte indianische Volk in den Vereinigten Staaten.

Seine Untersuchungen sind Teil der positiven Psychologie, die sich auf das konzentriert, was das Leben lebenswert macht und ihm einen tieferen Sinn gibt. Aus seinen Umfragen entstand das Konzept des Flows.

Was ist Flow?

Flow entsteht bei Aktivitäten. Es gibt Menschen laut Csíkszentmihályis Forschungen das Gefühl, dass im Moment des Flows nichts anderes von Bedeutung ist, dass die eigene Aufmerksamkeit nicht von Problemen oder etwas anderem abgelenkt werden kann, weil die Konzentration so hoch ist, und man sich selbst und schließlich das Zeitgefühl vergisst. Flow ist ein wahres Glücksgefühl, das weiß jeder, der es schon einmal erlebt hat.

Wer leidenschaftlich Musik macht, kennt Flow auf jeden Fall. An der Gitarre zu sitzen oder mit der Band zu proben, kann wahre Glücksgefühle freisetzen. Wer gern klettert und sich die Wand hocharbeitet, der vergisst ebenfalls die Zeit und hat nur noch sein Ziel vor Augen. Was für ein schönes Gefühl es ist, das Ziel erreicht zu haben. Man kann Flow in vielen Tätigkeiten erleben. Sei es beim Lesen oder beim Umdekorieren der eigenen Wohnung.

Wie erreicht man Flow?

Es gibt zwei Aspekte die für das Erreichen eines Flow-Zustandes wichtig sind. Sich lediglich seiner Lieblingsaktivität zu widmen, reicht leider nicht aus. Überdurchschnittliche Herausforderungen bei einem Einsatz von überdurchschnittlichen Fähigkeiten führt nach Csíkszentmihályi zum Flow-Erleben. Zu schwierig darf die Tätigkeit allerdings nicht sein, weil die Aufgabe dann einschüchtert und Angst macht. Ist sie dagegen zu einfach, langweilt sie uns. Auf der anderen Seite stehen die eigenen Fähigkeiten. Je besser man in etwas ist, desto höher sollte die Herausforderung sein, um in den Flow zu kommen. Je höher wir in diesem Spannungsfeld kommen, desto intensiver wird das Glückserleben, das bis hin zur Ekstase reichen kann.

Die für die Untersuchungen von Csíkszentmihályi befragten Indianer haben sich zum Ritual gemacht, alle fünfundzwanzig bis dreißig Jahre umzuziehen, selbst, wenn sie alles hatten, was sie zum Leben brauchten. Es geht ihnen darum, neue Herausforderungen zu haben, die es zu meistern gilt, um ein erfülltes Leben leben zu können.

Flow als Wegweiser bei der beruflichen Orientierung

Der Appell von Professor Csíkszentmihályi ist klar. Ein gutes Leben braucht aus seiner Sicht drei Dinge: Genuss, Engagement, im Sinne eines hingebungsvollen Einsatzes, und Bedeutung. Die Aufgabe im Leben jeden einzelnen sei es, herauszufinden, was man liebt und dann immer besser darin zu werden.

In welchen Momenten bist Du im Flow? Viele Menschen können diese Frage nur schlecht beantworten. Achte einmal darauf, wann Du im Flow bist. Ein „Flow-Tagebuch“ kann Dir dabei helfen. Schreibe auf, wann Du alles um Dich herum vergessen hast, wann Du voller Konzentration warst und in Deiner Tätigkeit aufgegangen bist.

Auch die Frage nach den Tätigkeiten, die sie gern tun, können viele nur schlecht beantworten. Wenn Du noch nicht auf Anhieb weißt, was Dir liegt und Freude bereitet, ist das überhaupt nicht schlimm. Hilfreich für die berufliche Orientierung ist allerdings, wenn Du ein Bewusstsein dafür bekommst und Deine Flow-Erfahrungen reflektierst.


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