In Tagespraktikum vom 22. Mai 2019

Tagespraktika können Barrieren abbauen

Einige Studierende haben uns ihre Erfahrungen beim Tagespraktikum beschrieben. Wir wollten nun wissen: Wie sieht die andere Seite die Tagespraktika? Was versprechen sich Wirtschaftsprüfer davon und wie erleben sie den Tag mit Studierenden? Uta Meyer hat mit uns über ihre Erfahrungen gesprochen. Sie ist Wirtschaftsprüferin, Steuerberaterin und Partnerin bei FIDES und leitet gemeinsam mit zwei weiteren Partnern die Niederlassung in Osnabrück.

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Frau Meyer, haben Sie selbst schon einmal ein Praktikum gemacht?

Ja, in Irland! Ich habe dort während des Studiums für sechs Monate im Finanzmanagement einer Tochtergesellschaft eines deutschen DAX-Unternehmens gearbeitet.

Hat es Ihnen etwas gebracht?

Auf jeden Fall! Zunächst einmal hat es mir für meine Englischkenntnisse genützt. Außerdem hat es mich darin bestärkt, dass ich beruflich etwas im Bereich Steuern und Finanzen machen wollte.

Was hat Ihre Wirtschaftsprüfungskanzlei FIDES dazu bewogen, bei der Expedition Wirtschaft mitzumachen und Tagespraktika anzubieten?

Wir möchten junge Leute, die sich das vorstellen können dafür gewinnen, als Prüfungsassistenten einzusteigen.

Wie nehmen Sie Kontakt mit den Interessenten an einem Tagespraktikum auf?

Unsere Personalabteilung managt die Tagespraktika. Dort kommen alle Wünsche an. Die Personalabteilung fragt bei uns an, ob wir es einrichten können. Dann nehme ich persönlich Kontakt mit dem Studenten oder der Studentin auf und wir vereinbaren einen Termin.

Wie läuft ein Praktikumstag bei Ihnen ab?

Vergangenes Jahr war eine Studentin hier in unserer Niederlassung in Osnabrück. Zunächst habe ich ihr unsere Räumlichkeiten gezeigt und sie mit meinem Team bekanntgemacht. Dann haben wir eine übersichtliche Aufgabe zusammen gelöst. Anschließend habe ich ihr eine Aufgabe gegeben, an der sie sich allein versuchen konnte. In der Hochprüfungsphase nehme ich den Praktikanten mit zu einem Mandanten und zeige ihm, wie das Team vor Ort strukturiert ist, was gerade für Aufgaben erledigt werden. Vorher gebe ich ihm Berichte und Informationen zu Prozessen über dieses Unternehmen zur Vorbereitung. Die Mittagspause verbringen wir zusammen mit dem Team; so kann der Studierende die Prüfungsassistenten kennenlernen. Zum Abschluss des Praktikumstages besprechen wir uns nochmal und der Studierende kann Fragen stellen.

Wie sollten sich die Studierenden auf den Tag vorbereiten?

Ich habe keine festen Erwartungen an die Vorkenntnisse der Studierenden, die zu uns kommen. Bei der Gestaltung des Tagespraktikums habe ich mir vielmehr die Frage gestellt, welche Bedürfnisse und Erwartungen der Studierende an den Praktikumstag hat. Bisher habe ich ein Tagespraktikum im Rahmen der „Expedition Wirtschaft“ durchgeführt. Die Studentin hatte sich gut vorbereitet und auch schon bei anderen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften hineingeschnuppert. Sie brachte auch Vorkenntnisse mit – so war ihr bekannt, was ein Jahresabschluss ist und auch in groben Zügen, was ein Wirtschaftsprüfer macht. Aber auch wenn ich bei einem Tagespraktikum grundlegende Dinge erklären müsste, wäre dies für mich kein Problem, da es ja gerade darum geht, einen ersten Einblick in unsere Berufswelt zu vermitteln. Für uns Wirtschaftsprüfer ist es sinnvoll, Kontakte zu Studierenden zu knüpfen. Wir lernen dabei ebenso etwas über die jüngere Generation wie umgekehrt.

Welche Fragen stellen die Studierenden?

Das ergibt sich aus der konkreten Situation. Beispielsweise bin ich gefragt worden, wie mein persönlicher Werdegang als Wirtschaftsprüferin verlaufen ist oder wie ich meine Zeit einteile.

„Was ziehe ich an zum Tagespraktikum?“ das fragen sich Studierende häufig. Was raten Sie?

Ganz einfach: Ziehen Sie sich an wie zu einem Vorstellungsgespräch. Etwas anderes gilt, wenn an dem Tag eine Inventurbeobachtung ansteht. Wenn wir beispielsweise ein Lager für Kfz-Teile besuchen und mit den Mitarbeitern sprechen wollen, dann erscheint man dort besser in Jeans als im grauen Anzug oder Kostüm: Einerseits ist es dann nicht schlimm, wenn etwas schmutzig wird, und anderseits ist man dann nicht „overdressed“ im Vergleich zu den Gesprächspartnern vor Ort. Wenn ich einen solchen Termin plane, würde ich den Tagespraktikanten vorher darauf hinweisen.

In welchem Alter wussten Sie, was ein Wirtschaftsprüfer ist?

Eine Ahnung davon hatte ich bereits in der Grundschule! Mein Vater ist nämlich Steuerberater. Konkret vorstellen konnte ich es mir dann während meines BWL-Studiums. Und im Detail wusste ich es in meiner eigenen Zeit als Prüfungsassistentin.

Wie sind Sie selbst zum Wirtschaftsprüferberuf gekommen?

Nach meinem Abitur habe ich zunächst eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten absolviert und mich danach für ein BWL-Studium eingeschrieben. Im Studium war mein Berufswunsch Steuerberaterin. Ich habe dann bei FIDES angefangen und meine Steuerberater-Prüfung abgelegt. Da es mir dort gut gefiel, bin ich geblieben. Während der Vorbereitung aufs Steuerberaterexamen merkte ich, dass mich die betriebswirtschaftliche Beratung und das Bilanzsteuerrecht am meisten interessieren. Auch aufgrund des Zuspruchs von Kollegen habe ich mich zum Wirtschaftsprüfungsexamen angemeldet. Mein Ehrgeiz war geweckt, und es hat auch geklappt! Danach habe ich ein Wunschkind bekommen, Elternzeit genommen und währenddessen einzelne ausgewählte Mandate betreut. Nach einem Jahr bin ich wieder in den Beruf in verantwortlicher Position eingestiegen. Später durfte ich mich über ein zweites Kind freuen und habe ein weiteres Jahr Elternzeit genommen. So übernehme ich heute Verantwortung sowohl in meinem Beruf als auch in der Familie.

Haben es Studierende heute schwerer oder leichter?

Ich weiß nicht, ob man dies so sagen kann. Auch kenne ich die heutigen Studienbedingungen nicht im Detail. Mir scheint, einerseits ist es aufgrund der stärkeren Verschulung einfacher, allerdings sind die Rahmenbedingungen auch schwieriger und die Studierenden haben weniger Freiheiten im Studium als zu meiner Studienzeit.

Gibt es im Verhältnis zwischen Studierenden und WP-Praxen eine Erwartungslücke?

Die Gedankenwelten sind verschieden. Ein Wortspiel kann dies verdeutlichen: Während wir meist Arbeit-Nehmer suchen, sehen sich die Studierenden als Arbeit-Geber, weil sie ihre Arbeitskraft anbieten. Dieser geänderte Blickwinkel fällt Wirtschaftsprüfern manchmal schwer, deren Stärke nicht zwangsläufig im Personalwesen liegt – wir haben uns im BWL-Studium ja nicht für diesen Schwerpunkt, sondern uns für einen anderen Berufsweg entschieden. Aber es ist wie mit der Digitalisierung – man muss sich dem stellen! Tagespraktika sind eine Möglichkeit, die man nutzen sollte. Sie können Barrieren abbauen.


Steckbrief: Uta Meyer

Job: Prüfung und Beratung von mittelständischen Unternehmen und gemeinnützigen Einrichtungen, insbesondere im Gesundheits- und Sozialwesen sowie im öffentlichen Sektor

Mobilitätsfaktor: Ein Drittel der Arbeitszeit beim Mandanten, meist im Großraum Osnabrück unterwegs

Studium: an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Lieblingsorte in Osnabrück: Mein Zuhause, laufend zwischen Hase und Kanal und der Zoo


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