In Wirtschaftsprüfer vom 25. Januar 2018

Sitzen Wirtschaftsprüfer den ganzen Tag im stillen Kämmerlein?

Wirtschaftsprüfer sprechen über gängige Vorurteile, die über den Beruf kursieren – Folge vier.

Berufe und deren Vertreter werden gern in Schubladen gesteckt: Juristen drücken sich kompliziert aus, reden dabei aber meist um den heißen Brei herum, während Informatiker in ihrer eigenen Welt leben und wenig Wert auf ihren Kleidungsstil legen. Diese Vorurteile werden mehr oder weniger ernsthaft gepflegt – auf der Campus-Party, in den Medien und andernorts. Wirtschaftsprüfer und Wirtschaftsprüferinnen sind davon nicht ausgenommen. Was aber sagen die „Betroffenen“ selbst dazu? Wir haben uns die häufigsten Vorurteile vorgenommen und nachgefragt.

Stimmt es, dass Wirtschaftsprüfer den ganzen Tag im stillen Kämmerlein sitzen, Herr Bender?

von Karsten Bender, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, Partner bei Ebner Stolz GmbH & Co. KG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft

Durch meine Arbeit bin ich immer wieder auch auf Hochschulmessen unterwegs, um Studierenden unser Berufsbild näher zu bringen und für einen Einstieg in der Wirtschaftsprüfung zu werben. In den Gesprächen werde ich das ein oder andere Mal mit Vorurteilen zum Berufsstand konfrontiert. Manche Interessenten glauben, dass wir Wirtschaftsprüfer allein in unserem stillen Kämmerlein säßen und stapelweise Unternehmensdaten durcharbeiten würden. Zusätzlich würden wir diverse vorgegebene Checklisten abhaken, um zu dokumentieren, dass alle Jahresabschlussposten geprüft sind.

Glücklicherweise sieht die Realität doch etwas anders aus! In der Wirtschaftsprüfung arbeiten wir in Teams und selten allein. Auch in einer zunehmend digitalen Welt befinden wir uns im Rahmen der Abschlussprüfung noch die meiste Zeit direkt vor Ort bei unseren Mandanten. Bei kleineren Mandaten bestehen unsere Teams aus 2 bis 3 Mitarbeitern, bei großen Konzernprüfungen habe ich auch schon mit 5 bis 8 Kollegen in einem Zimmer gesessen. In unserem Prüfungszimmer herrscht untereinander ein reger Austausch. Bei Konzernabschlussprüfungen kommunizieren wir mit internationalen Kolleginnen und Kollegen auf Englisch, Spanisch, Französisch,… Oft suchen uns unsere Mandanten mit spezifischen Fragen auf – und manchmal auch nur, um sich über die letzten Fußballergebnisse oder den letzten Urlaub auszutauschen.

Als Prüfer müssen wir das Geschäft des Mandanten verstehen, dazu müssen wir dieses kennenlernen. Dies beginnt am besten mit einer Werksführung. Außerdem führen wir Gespräche mit allen Abteilungen, in denen wir die Prozesse des Mandanten besprechen und aufnehmen. Im Rahmen der Inventurbeobachtung nehmen wir Stichproben im Lager und lernen dadurch auch die Produkte unserer Mandanten näher kennen. Bei der Wirtschaftsprüfung geht es also nicht nur um abstrakte Zahlen, welche in der Stille geprüft werden, sondern vielmehr um den Austausch mit Menschen und das Verstehen von Prozessen, aktuellen Problemen und Entwicklungen. Ein guter Wirtschaftsprüfer spricht mit den Mitarbeitern im Unternehmen, um die Zahlen zu verstehen und Probleme und Beratungsbedarf aufzudecken. Hinter jeder abstrakten Zahl im Abschluss verbirgt sich auch eine Geschichte.

Und ja, manchmal ist es wirklich ein Kämmerlein – besonders dann, wenn der Mandant stark gewachsen ist und die Räume knapp geworden sind. Meist sitzen wir aber in schönen Büros mit heißem Kaffee und Keksen oder Obst.

Weiterlesen:

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Folge drei

Können nur BWLer Wirtschaftsprüfer werden?

Folge zwei


Bildnachweis: @istock/second-floor


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